31.10.16

Das Schweigen der Jäger



Das Sprichwort zu den 3 Affen: „Audi, vide, tace, si tu vis vivere pace (zu deutsch: Höre, sieh und schweige, wenn du in Frieden leben willst).“

Einige aufmerksame Jagdblogleser haben es schon bemerkt: Das JagdBlog ist weitestgehend verwaist.
Stattdessen widme ich mich seit einem Jahr ausschließlich der Administration des Deutschen Jagdportals. Diese Arbeit nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass zum Kommentieren aktueller jagdlicher Ereignisse keine Zeit mehr bleibt. Doch seit einigen Wochen brennt mir etwas auf den Nägeln, dass ich unbedingt zu Papier bringen muss:

Meine Haupttätigkeit ist zur Zeit die Recherche im Internet nach aktuellen, jagd- und naturrelevanten Themen. Diese fasse ich in den Jagdnachrichen auf der Eingangsseite des Deutsche Jagdportals zusammen. Diese tägliche Zusammenfassung aktueller Meldungen freut sich größter Beliebtheit, macht es doch die mühsame Recherche des einzelnen Jägers im Internet, zumindest was die Jagdnachrichten angeht, überflüssig.
Dabei bin ich bemüht, möglichst alle Verbände, Unternehmen oder Organisationen durch Beiträge zur Jagd und zum Naturschutz zu Wort kommen zu lassen, damit nicht der Eindruck entsteht, ich würde einzelne Interessensgruppen bevorzugen.

Doch insbesondere von den Jagdverbänden und der Jagdpresse suche ich Stellungnahme zu aktuellen jagdrelevanten Themen im Internet oft vergebens. Dabei sind die Themengebiete, bei denen die Jäger ein gewichtiges Wort mitzureden haben und sich profilieren könnten, nicht wenig. Doch seitens der Jagdverbände herrscht weitestgehend Funkstille.

Da wäre zum einen der Dauerbrenner „Wölfe in Deutschland“. Mittlerweile stellen sogar vereinzelt unsere Politiker jetzt fest, dass der Populationsanstieg -ähnlich wie bei den Flüchtlingen- die Toleranz der Landbevölkerung auf eine harte Probe stellt, bzw die Geduld irgendwann erschöpft ist. Dass einzelne Wölfe kaum gesundes Wild erbeuten können und die eigentlichen Probleme erst beginnen, wenn sich größere Rudel gebildet haben, kann man zur Zeit sehr gut in Sachsen beobachten. Auch werden Stimmen laut, die schon das Ende der ökologisch wertvollen Weidetierhaltung kommen sehen. Die Jagd auf Wölfe zur Bestandsreduktion ist zumindest in Niedersachsen und Sachsen schon länger kein Tabu mehr.
Doch von der sächsischen Jägerschaft hörte man in den letzten Wochen lediglich, dass sie einen neuen Präsidenten gewählt haben. Zum Thema Populationsbegrenzung der sächsischen Wölfe kein Wort.

Ein weiteres ungelöstes Problem sind unsere Neozonen. Der Waschbär hat sich im Osten Deutschlands derart ausgebreitet, dass mühevoll gepflegte Vogelschutzgebiete durch diesen üblen Nesträuber bedroht sind. Voraussichtlich werden in den nächsten Jahren mehrere seltene Wasservogelarten wegen dieses Neubürgers für immer verschwinden. Selbst Naturschützer und Ornithologen, die der Jagd skeptisch gegenüber stehen, fordern die jagdliche Unterstützung, um die seltenen Vögel in den Schutzgebieten zu retten. Schaut man auf die Internetseiten der Jägerschaften, so findet man zu diesem Thema nichts. Scheinbar fühlen sich die Jagdverbände auch hier weder kompetent noch zuständig.

Ein weiterer Neozon mit furchtbaren Auswirkungen auf unsere Tierwelt ist der Komoran. Erschwerend kommt hier hinzu, dass er nicht nur die Fische , sondern die Existenzen ganzer Fischwirtfamilien bedroht. Einige Karpfenzüchter melden Ausfälle von über 90 % der eingesetzten Brut. Hier wäre eigentlich seitens der Jägerschaft eine willkommene Gelegenheit, mittels über die Kreisjägerschaften koordinierte Gemeinschaftsjagden den komorangeplagten Fischern und Teichwirten zur Seite zu stehen und neue Allianzen gegen medienstarke Jagd- und Angelfeinde zu bilden. Auch hier herrscht seitens der Jäger weitestgehend Ruhe.

Seit einigen Jahren fallen die Sauen von Osten kommend in Divisionsstärke in Bayern und Baden-Württemberg ein. Auch in Gebieten in Nordrhein-Westfalen, wo sie weitestgehend unbekannt waren, gehen Rotten mittlerweile zu schaden. Nun weiß eigentlich jeder, dass sich Jäger tendenziell lokal orientieren und selten über die Kreisgrenze hinausschauen oder dort jagen. Viele Jäger in Bayern kennen die Sauen nur aus den Jagdzeitungen und dem Internet. Eine aktive Jagd auf Sauen ist den Jägern in den südwestlichen Bundesländern in der Regel unbekannt. Dass die Erlegung einer Vollmondsau mit anschließender Nachsuche rein gar nichts mit der sommerlichen Rehbockjagd gemeinsam hat und eine Drückjagd auf Sauen mit sauscharfen Hund in keinster Weise mit einer gemütlichen herbstlichen Hasenjagd zu vergleichen ist, merken die meisten Jäger erst dann, wenn die erste Wildschadensregulierung vom Bauer eingefordert wird. Eigentlich müssten die Jagdverbände die neuen Saujäger in den südwestlichen Bundesländern durch erfahrene Schwarzwildjäger schulen, die Ausbildung sauscharfer Hunde müsste vorangetrieben werden und allgemein müsste die Jägerschaften darauf vorbereitet werden, was da so bei weiter zunehmenden Schwarzwildpopulationen auf sie zukommt. Immer mehr Städter fordern, die Jäger mögen mehr schießen, um die marodierenden Rotten aus den Städten und stadtnahen Gebieten zurückzudrängen. Und auch hier gäbe es eine wunderbare Möglichkeit, das ramponierte Ansehen der Jäger bei der Stadtbevölkerung aufzubessern. Doch von den Jagdverbänden hört man wenig von konzertierten Aktionen zur Bejagung der steigenden Schwarzwildbestände. Dass man solche ein einmalige Chance einer Imageverbesserung ungenutzt verstreichen lässt, versteht wohl kein Mensch.

Ein ganz anderes Problem hat zur Zeit unser Nachbarland Österreich. Doch auch hier wird versucht, durch Totschweigen ein Problem auszusitzen. Zwar steht dort die Jagd in einem wesentlich besseren Ruf bei der Bevölkerung, als bei uns in Deutschland, aber dort betreiben scheinbar noch sehr viel wohlhabende Jäger professionelle Jagdgatter. Auch ist das Bejagen von kurz vorher ausgesetzter Zuchtfasane scheinbar in einigen Revieren in Österreich noch usus. Diese Gatterjagden und Jagden auf Zuchtfasane nehmen Tierrechtsvereine und Antijagdgruppen zum Anlass, das Image der Jäger in Österreich mit medialer Professionaliät massiv zu schädigen. Nun wird man auch unter den österreichischen Jägerinnen und Jäger genügend Stimmen finden, die diesen Jagdformen eine Absage erteilen. Auch werden viel Jägerinnen und Jäger es in einer Diskussion es ablehnen, solche Ballereien auf halbzahme gemästete Tiere als eine Form der Jagd zu bezeichnen.
Weder unterlassen die Veranstalter es, unter dem Druck der Tierrechtsorganisationen, diese Jagden abzuhalten, noch nehmen österreichische Jagdpresseorgane oder Jagdverbände zum aktuellen imageschädigenden Verhalten dieser "Jagdveranstalter" Stellung. Auch hier herrscht konsequentes Schweigen im Walde.

Für mich stellt sich hier ein ganz anderes Problem: Ich möchte über das Für und Wider der Gatterjagd und der Jagd auf Zuchtfasane berichten, aber das ganze Internet ist voll von Artikeln der Jagdgegner. Ich wurde übelst beschimpft, weil ich auf Artikel der Jagdgegner verlinke und den Jagdgegnern dadurch ein Forum biete. Aber was aber soll man als Betreiber eines Jagdnewsblog machen, wenn es keine Stellungnahmen der Jägerschaft gibt. Insbesondere in diesem Fall zeigt sich, dass der Schuss des Totschweigens und des Aussitzens von Problemen im Internet schnell nach hinten los gehen kann.

Vor einigen Tagen ging ein sehenswerter Jagdtalk mit dem Titel "Tradition und Fortschritt - Das Jägerimage im Wandel" des Internetsenders JagdundNatur TV online, in dem über das Image der Jäger im Internet diskutiert wurde. Hier zeigte sich einmal mehr, dass die Jäger bei dem Thema Öffentlichkeitsarbeit noch einen sehr, sehr langen Weg vor sich haben

waidmannsheil

Euer

stefan   

Keine Kommentare: